Ein Mann betritt ein völlig überfülltes Brauhaus. Er hat seit Tagen kaum etwas gegessen, sein Magen knurrt wie ein ganzes Wolfsrudel, und der nackte Heißhunger treibt ihn fast in den Wahnsinn. Suchend blickt er sich um – kein freier Tisch.
Da entdeckt er in einer dunklen Ecke einen Mann, der völlig regungslos vor einem randvollen, dampfenden Teller Erbsensuppe sitzt. Der Teller ist unberührt. Der Mann starrt einfach nur wie hypnotisiert auf die Oberfläche, den Löffel flach danebengelegt.
Der hungrige Gast hält es nicht mehr aus. Er stürzt an den Tisch, sackt auf den freien Stuhl und bittet mit zitternder Stimme: „Entschuldigung, mein Herr… ich krepiere vor Hunger. Essen Sie diese Suppe noch?“
Der Tischnachbar schaut nicht einmal auf. Er schüttelt nur langsam den Kopf und flüstert lethargisch: „Nein. Die esse ich nicht mehr.“
Der Hungerleider fackelt nicht lange. Er reißt den Teller an sich, packt den Löffel und schlingt die Suppe in einem absolutem Rekordtempo in sich hinein. Löffel für Löffel verschwindet die warme Flüssigkeit in seinem Schlund. Er schließt genießerisch die Augen.
Doch als er mit dem Löffel den Boden des Tellers kratzt, stockt ihm der Atem. Die Suppe wird flacher, und am tiefsten Punkt des Tellers kommt ein fetter, schleimiger, halb nackter Regenwurm zum Vorschein, der sich träge im verbliebenen Bodensatz windet.
Dem Mann dreht sich augenblicklich der Magen um. Ein heftiger Würgereiz schießt ihm in die Kehle. Er schafft es nicht einmal mehr, den Kopf wegzudrehen – und bricht die gesamte, gerade verschlungene Suppe im hohen Bogen zurück in den Teller.
Völlig erschöpft und keuchend wischt er sich den Mund ab.
In diesem Moment hebt der Tischnachbar langsam den Kopf, sieht den wieder randvollen Teller an, seufzt tief und sagt: „Sehen Sie… genau so weit war ich vor fünf Minuten auch schon.“