Haddon-Matrix
Die Haddon-Matrix ist ein bewährtes Analyse- und Planungsinstrument aus der Unfall- und Präventionsforschung. Sie hilft dabei, Ursachen von Ereignissen systematisch zu verstehen und gezielte Maßnahmen zur Vermeidung oder Abschwächung von Schäden abzuleiten.
Grundidee der Haddon-Matrix
Das Modell wurde von William Haddon Jr. entwickelt und kombiniert zwei Blickwinkel:
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Zeitliche Phasen eines Ereignisses
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Einflussfaktoren, die das Geschehen prägen
Durch diese Struktur lassen sich Risiken nicht nur rückblickend erklären, sondern auch präventiv steuern.
Die drei Phasen eines Ereignisses
Die Haddon-Matrix unterscheidet drei zeitliche Abschnitte:
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Vor dem Ereignis
Faktoren, die das Risiko beeinflussen, bevor etwas passiert. -
Während des Ereignisses
Einflüsse, die den Verlauf und die Schwere bestimmen. -
Nach dem Ereignis
Aspekte, die Folgen, Schäden und Erholung beeinflussen.
Die vier Einflussfaktoren
Parallel dazu werden vier Kategorien betrachtet:
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Mensch (Verhalten, Fähigkeiten, Wissen)
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Technik bzw. Fahrzeug/Gerät
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Umwelt (physisch und sozial)
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Organisation / Rahmenbedingungen
Aufbau der Haddon-Matrix
Die Kombination aus Phasen und Faktoren ergibt eine übersichtliche Matrix:
| Phase | Mensch | Technik | Umwelt | Organisation |
|---|---|---|---|---|
| Vor dem Ereignis | Aufmerksamkeit, Training | Sicherheitsfunktionen | Verkehrsführung | Regeln, Aufklärung |
| Während des Ereignisses | Reaktion, Schutz | Schutzsysteme | Hindernisse | Notfallprozesse |
| Nach dem Ereignis | Erste Hilfe | Rettungstechnik | Erreichbarkeit | Versorgungsketten |
Jedes Feld bietet Ansatzpunkte für konkrete Maßnahmen.
Praktisches Beispiel Verkehrsunfall
Die Stärke der Haddon-Matrix zeigt sich besonders in der Anwendung:
| Phase | Beispielhafte Maßnahmen |
|---|---|
| Vorher | Fahrerschulungen, Tempolimits |
| Während | Airbags, Knautschzonen |
| Nachher | Rettungsdienste, Reha-Angebote |
So wird deutlich: Prävention beschränkt sich nicht auf das Verhindern des Unfalls, sondern umfasst auch Schadensminderung und Nachsorge.
Einsatzbereiche der Haddon-Matrix
Die Matrix wird längst nicht nur im Straßenverkehr genutzt:
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Arbeitssicherheit
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Medizin und Public Health
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Katastrophenschutz
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Produktsicherheit
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Risikoanalyse in Unternehmen
Überall dort, wo komplexe Ereignisse entstehen, liefert sie eine strukturierte Entscheidungsgrundlage.
Vorteile des Modells
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klare, leicht verständliche Struktur
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ganzheitlicher Blick auf Ursachen
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geeignet für interdisziplinäre Teams
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fördert präventives Denken
Gerade in der Planung von Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen ist die Haddon-Matrix ein wirkungsvolles Werkzeug.
Zusammenfassung
Die Haddon-Matrix verbindet Zeit und Einflussfaktoren zu einem systematischen Analysemodell. Sie hilft dabei, Risiken nicht nur zu erkennen, sondern gezielt zu reduzieren – vor, während und nach einem Ereignis. Ihr größter Wert liegt in der klaren Struktur, die komplexe Zusammenhänge verständlich macht und konkrete Handlungen ableitet.